Don't look back in anger
Freitag, 19. Juni, 2009 um 21:18Drei Monate sind inzwischen vergangen, seit ich Wien verlassen habe. Eine Replik über die letzten 13 Jahre in Wien möchte ich und werde ich (noch) nicht verfassen – stehe nur vor der Frage, wie persönlich darf und soll ein Blog eigentlich sein und wen interessiert es? – außer vielleicht Menschen, denen ich in dieser Zeit begegnet bin und die mich eine Zeit lang begleitet haben und dies auch immer noch tun.
Ich könnte hier eine lange Liste an Menschen aufführen, denen ich danke sagen möchte – doch diese wäre wahrscheinlich unvollständig – also lass ich es gleich – denn ich würde sicher jemanden vergessen und dies will ich nicht.
Der Abschied aus Wien/Österreich ist mir nicht leicht gefallen; ich durfte aber Erfahrungen in Wien sammeln, die ich im Nachhinein als sehr wertvoll betrachte und die, auch wenn sie manchmal noch so frustrierend und enttäuschend waren, mich doch auch weiter brachten.
Der Oasis Titel „Don’t look back in anger“ begleitet mich, seit er 1996 erschien und ich 1997 im Wiener Flex mit Susi und Dani abrockte. Lange Zeit später war dieser in abgewandelter Form das Motto des Life Ball 2003 (Don’t look back in anger, or forward in fear, but around in awareness) als ich Assistent für Marketing und Produktion war.
2002 wurde ich Aktivist bei den Grünen Andersrum Wien und wurde 2003 zum Verantwortlichen für Web- und Öffentlichkeitsarbeit gewählt. Es war eine tolle Zeit, mit dem damaligen Team der GAW zusammen zu arbeiten. Auch lernte ich die Wiener Grünen als eine pluralistische Organisation kennen und dank eines Praktikums, welches ich im Pressereferat des Grünen Klubs im Rathaus absolvieren konnte, lernte ich schnell die tagespolitischen Abläufe einer Partei kennen. Heike Wahrmuth und der inzwischen leider verstorbene Klaus Zellhofer ermöglichten mir eine befristete Anstellung im Pressereferat des Grünen Klubs im Rathaus bis zur Wiener Gemeinderatswahl 2005.
Ich wurde Mitglied der Bezirksgruppe der Grünen im 15. Wiener Gemeindebezirk, in dieser auf einen wählbaren Listenplatz gewählt, plante und organisierte parallel mit Marco Schreuder und dem Team der Grünen Andersrum Wien die Kampagne „We are family“. Eine unserer größten Aktionen war das „We are family Picknick“ vor dem Bundeskanzleramt vor der Hofburg, oder auch die Aktion „Pink Sheep of the family“ vor der ÖVP Parteizentrale, tourte mit Ulrike Lunacek durch Innsbruck/Tirol - auch da waren damals Wahlen - und organisierte mit Elisabeth (in weiterer Folge Lisa) Sechser den Verkauf der damaligen T-Shirt Aktion „Linke Emanze – Linker Emanzer“.
Aufgrund des damaligen unerwarteten Erfolges der T-Shirts wurden Lisa und ich ermutigt, ein Konzept zu entwickeln, um die Wiener Grünen, bzw. in weiterer Folge die Grünen in der Öffentlichkeit, transparenter zu gestalten. Wir entwickelten das Konzept einer grünen.lounge – ein Ort mitten in Wien, um auf niederschwelliger Art und Weise „bei Coffe, Tea & more“ grüne Inhalte zu transportieren und die Grünen Funktionsträger/innen kennen zu lernen.
Nach etlichen Gesprächen mit Klubdirektion, diversen Landtagsabgeordneten und –innen, Landesgeschäftsführer, usw. wurden wir gebeten, ein detailiertes Konzept auszuarbeiten, um die grüne.lounge Wirklichkeit werden zu lassen.
Tage und Nächte lang erarbeiteten wir eine Vorabpräsentation, stellten diese den Abgeordneten im Rathausklub vor und präsentierten diese auch dem damaligen Landesvorstand. Unsere erste kurze Präsentation war den damaligen (und auch teils heute noch) Entscheidungsträger/innen jedoch zu kurz und wir wurden gebeten, einen ausführlichen Businessplan zu erstellen – da dies noch zu wage sei um dem zuzustimmen.
Allerdings: wir beide verspürten, ähnlich wie die Grünen Vorwähler/innen heute, sofort Gegenwind und mussten uns schon 2004 mit Argumenten einer Gemeinderätin/Landtagsabgeordneten auseinandersetzen, wie „Es ist mir lieber, die Grünen verlieren ein paar Prozentpunkte, sind dann aber wieder bei ihren Wurzeln und keine Mainstream Partei“.
Naiv wie wir beide damals waren, ließen wir uns von solchen Meldungen erstmal nicht entmutigen und gingen in Phase B über, erstellten mit Wirtschaftsconsulter/innen einen 122 Seiten umfassenden Businessplan, involvierten unentgeltlich ein Architekt/innen Büro, gewannen die Werbeagentur Zehetbauer/Salzer als Partner, die uns eine unentgeltliche Mediaplanung erstellten – koordinierten alles in Absprache mit der Landesgeschäftsführung – konnten potenzielle Kooperationspartner/innen in das Grüne Haus einladen, ermöglichten Finanzierungsmöglichkeiten, vernetzten uns mit den Bundesgrünen, die dieses Konzept für gut befanden – erweiterten dieses auf Wunsch sogar noch dahingehend, dass die grüene.lounge auch Raum sein kann, um Pressekonferenzen, Seminare, etc. dort abhalten zu können.
Nach Einreichung des fertigen Businessplans und eines, durch einen eigens von uns eingeholten, staatlich anerkannten Wirtschaftsprüfer für gut befundenen Konzepts, entschieden sich dann Teile des Landesvorstandes dagegen.
Leider merkten auch wir damals, dass sich eine womöglich kleine aber nicht unbedeutende Gruppe innerhalb der Wiener Grünen durchsetzen konnte.
Dies liegt nun schon einige Zeit zurück, doch wenn ich mir die Farce um die Grünen Vorwähler/innen anschaue, sehe ich doch gewisse Ähnlichkeiten.
Die Unterstützer/innen innerhalb der Wiener Grünen bei der grünen.lounge und die, die das Projekt der Grünen Vorwahlen befürworten, sind ident.
Somit schließt sich dann der Kreis auch wieder, denn es bleibt nur noch zu sagen: „don't look back in anger"...
Auch wenn ich selbst oft enttäuscht wurde und vieles innerhalb der Grünen Seilschaften nicht verstehen kann, erhoffe ich mir doch in meiner kurzfristigen Tätigkeit als Mandatar, dass sich der grüne Gedanke durchsetzt!
Würde mich extrem freuen, wenn sich die Grünen aus dem (sarkastisch gesagten) Dornröschenschlaf wieder mit Themen bemerkbar machen. Immerhin haben es die Grünen in Berlin oder auch Stuttgart bewiesen - grün kann gestalten und findet Anklang.
Kategorie: Politik









Danke für diesen (ernüchternden..) Einblick!
find ich nicht ernüchternd, weckt den protestgeist.
Mich würde die Begründung für die Ablehnung des Projektes interessieren. Der Kostenfaktor? Die Idee jedenfalls ist sehr gut, wirklich schade.
Wie Helge schon anmerkte, ist dein Bericht leider sehr ernüchternd. Scheinbar gibt es Kräfte in der Partei, die eine Weiterentwicklung vehement verhindern.
„Es ist mir lieber, die Grünen verlieren ein paar Prozentpunkte, sind dann aber wieder bei ihren Wurzeln und keine Mainstream Partei“.
Ärgstens.
Ideologieblabla, ewig am Verhindern. Wer "argumentiert" denn so? (Was sind die Wurzeln? Was ist eine Mainstream-Partei? Was sind ein paar Prozentpunkte?)
Bensch
hallo nobs,
tja, mir ging es ja im zuge des strategieprozesses genauso. man wird ständig mit karrotten vor der nase animiert, noch mehr, noch detaillierter, noch abgestimmtere ideen vorzulegen. und dann mit den lapidaren entscheidungen entlassen: die gremien waren halt dagegen. da bist aber schon x leere kilometer gelaufen. so kanns nicht sein.
im übrigen hab ich auch mein persönliches resumee gezogen: http://strobl.twoday.net/stories/5769045/
wow, auch wenn ich das konzept noch geringfügig abändern würd - ich finds großartig, hätt aus kommunikativer sicht bestimmt großes potenzial gehabt. drei daumen hoch dafür!
@ michael:
die ofizielle begründung schlussendlich war der kostenfaktor, obwohl wir kooperationspartner/innen z.b. für das shopsegment hatten die mit gezahlt hätten. sind aber auch ewigkeiten von diversen gremien vertröstet worden (bezirkekonferenz, landesvorstand...) da niemand, so wirkte es auf uns, eine entscheidung treffen wollte und waren schon sehr gefrustet.
@VoiceFromEurope:
das haben wir leider auch nicht verstanden und konnten dies logisch nicht nachvollziehen.
und das ist der Grund warum ich als abgelehnter Vorwähler noch Vorbehalte habe einen Mitgliedsantrag für die Wiener Grünen zu stellen. Ich stell gern meine Energie unentgeltlich zur Verfügung wenn ich an etwas glaube - aber oft versickern selbst in NPO Energien in der Art und Weise wie hier beschrieben.
Egal ob das Konzept jetzt finanzierbar war oder nicht, der stil der sich rausliest (interessant wär dabei die meinung der "gegenseite" zu hören/zu lesen) gefällt mir gar nicht und erinnert mich an die Grünen Vorwahlen-Sache
hallo manuel, dein interesse teile ich und würde mich über eine transparente diskussion freuen. jedoch glaube ich nicht, dass dies möglich ist. lasse mich aber gerne vom gegenteil überzeugen.
aber viel. kann man ja via twitter, facebook & co mobilisieren...
Hab mir das Konzept gerade druchgelesen. Wirklich schade um so eine tolle Idee.
Schließe mich den anderen an - Super Idee - Super Konzept... und danke, du hast mir einen schönen Link geliefert, um den Verlust von Ideen zu untermauern --> http://tinyurl.com/nbhm3e
immer mehr wird mir gewiss, dass die "grünen" eine ganz normale partei geworden sind. macherhatl ist wolh das einzige anreizsystem. schade.